Rucke di guh, ich such‘ die schönsten Schuh‘

gestrickte-babyschuhe-sammlungBabys sind ja zunächst mal vor allem süß. Aber auch sie haben Füße. Klitzekleine, süße Füße, die genau so kalt werden können wie große Füße. Man könnte fast meinen, ich sei auf Füße fixiert, weil ich ständig irgendwelche Schuhe stricke – aber das ist nicht so. Erstens sind Schuhe, insbesondere Schühchen, sehr schnell gestrickt. Das kommt meinem ungeduldigen Wesen entgegen.

Und zweitens ist es eine besonders knifflige Aufgabe, eine einfache Anleitung für schöne Schühchen zu finden. Schwierig und schön gibt es wie Sand am mehr. Einfach und hässlich auch. Schwierig und hässlich habe ich mir gar nicht erst angeschaut. Aber einfach und schön? Gar nicht mal so leicht. Ja, dann denk dir doch selbst was aus, du alte Meckerziege! Könnte man denken. Problem: Dafür müsste man ja stricken können. Also richtig gut. Kann ich nicht. Also meckern. Oder halt suchen.

Und Liesl Strick wäre ja nicht Liesl Strick, wenn sie nicht ihre eigenen Recherchen betreiben würde. Feldstudien geradezu. Jede einigermaßen verständliche Anleitung für Babyschühchen wurde gestrickt – meistens allerdings immer nur einen Schuh lang – und dann aussortiert. So habe ich zum Beispiel zum ersten Mal Patent gestrickt. Sieht toll aus, lässt sich nur praktisch nicht reparieren, wenn man eine Masche verloren hat. Die Auslese war zeitraubend, aber sie hat sich gelohnt.

babyschuh-von-vorneZuerst hatte ich ja die kleinen Kohlebriketts gestrickt (links). Die waren zwar ganz nett, aber ein bisschen eckig. Wer die am allerschönsten findet, kann sie hier nachstricken.

Ich wollte aber gerne rundliche Schühchen haben. Dann hatte ich eine Anleitung für ganz ganz hübsche Schühchen mit Zopfmuster gefunden – und das war sogar strickbar. Sah nur leider am Ende so bescheuert aus, dass ich vor lauter Zorn sogar vergessen habe, ein Foto davon zu machen, bevor ich sie wieder aufgelöst habe. Ob das bei Germany’s Next Topmodel auch hin und wieder passiert? „Sorry, du siehst so bescheuert aus, da hab ich glatt vergessen, ein Foto von dir zu machen. Deine Heidi.“ (Anm. d. Red.: Es könnte sein, dass das Ergebnis den Fähigkeiten der Strickerin geschuldet war und nicht der Anleitung. Trotzdem: Kein Recall für die Zopfschuhe.)

baby-zwei-schuehchenAls nächstes hatte ich ein Modell gefunden mit Rollrand und Patentmuster (rechtes Bild, rechter Schuh) – von Strickhasi48. Wer auch immer das ist, sie hatte ganze Arbeit geleistet. Die Anleitung war strickbar, vollständig, nachvollziehbar. Nur mit dem Ergebnis war ich nicht so glücklich. Vielleicht war es die Wolle, die das Ganze beinahe scharfkantig machte. Wahrscheinlich war es auch mein Hang zu fest gestrickten Maschen, die dazu führten, dass nur ein Baby mit Streichholzbeinchen die Schuhe hätte anziehen können. Es war auf jeden Fall nicht das, was ich mir vorgestellt hatte. Also weiter.

Es gab noch eine Anleitung für die Schühchen links im Bild. Auch mit Patent, und sie sahen irgendwie bequem aus. Die Hellblauen sollten es sein. Aber nicht in hellblau. Ich hatte noch dunkelgraue Wolle, die wollte ich nehmen. Die Anleitung lieferte Brigitte gleich dazu, die war wirklich gut zu stricken (2. Seite, Mitte). Problem 1: Patent zu stricken geht relativ einfach. Patent maschenweise aufzuribbeln oder zurückzustricken, weil man zum Beispiel einen Fehler gemacht hat, geht relativ überhaupt nicht einfach. Am Ende hatte ich die Patentreihen so oft gestrickt, dass ich das jetzt richtig gut kann. Problem 2: Die „Schühchen“, die dabei am Ende herauskamen, hätten einem 6-Jährigen zur Einschulung noch gepasst. Vermutlich war die graue Wolle doch ein wenig zu dick. Die Form war toll, die Größe irgendwie daneben. Das Optimierungspotenzial war aber identifiziert.

Und es gab ja auch einen Anlass, zu dem ich tatsächlich Schuhe verschenken wollte: Die Geburt von Euphoria, die zu ihrem kugelsicheren Baby-Tanktop noch dass passende Schuhwerk kriegen sollte. Also noch ein Versuch.

Diesmal mit weniger Maschen, den Rest aber genauso gestrickt. Die Wolle war diesmal dunkelblau, sollte ja zum Rest passen. Und das hat wunderbar geklappt! Den Rand habe ich diesmal ein bisschen höher gestrickt mit Löchern, damit man noch ein gehäkeltes Bändchen durchziehen kann. Was ich noch üben muss: Das Zusammennähen am Ende. Am besten näht man wohl beide direkt hintereinander zusammen, damit man ein Gefühl für die Größe bekommt. So hatte ich den einen Schuh komplett fertiggestellt, während der andere noch nicht mal angeschlagen war. Entsprechend unterschiedlich groß sind die beiden geworden. Entweder hat Euphoria sehr unterschiedliche Füße – oder sie ist wirklich anspruchslos.

baby-blaue-schuehchen 400x300-baby-pullunder-schuhe

Was Konfuzius schon wusste: Der Weg ist das Ziel. Einverstanden. Aber manchmal ist auch das Ziel das Ziel. Wie auch immer: Die Suche hat sich gelohnt. Aber die mit dem Zopfmuster probiere ich auch noch einmal. Erkenntnis des Tages: Patent strickt man am besten fehlerlos oder gar nicht. Eure Liesl

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