Von den Socken

Nachdem ich drei Mützen gestrickt hatte (die dritte habe ich direkt wieder aufgelöst… bitte keine Fragen), beschlich mich der Gedanke: Wohin mit all den Mützen? Ich habe ja nur einen Kopf und der Winter scheint fast vorbei. Also mal was anderes ausprobieren. Schal? Langweilig, ich kann ja sogar schon Mützen! Mal Ana Kraft fragen. Die Antwort: Socken!

Sockenwolle hatte ich schon gekauft, Nadeln in Stärke 3 auch, sowohl das Nadelspiel als auch die Rundnadel. Equipment ist alles. Was ich schon wusste: Man kann beides benutzen, Nadelspiel ist ein bisschen kniffliger, Rundnadel weniger gefährdet, Maschen zu verlieren. Diese Klippe umschiffe ich also mit der Rundnadel. Ana Kraft strickt ihre Socken auch mit der Rundnadel, Magic Loop.

Magic was?! Loop. Was heißtn ditte?! Nicht mal Wikipedia weiß was dazu. Ich erfahre: Magic Loop heißt nicht, dass man zaubern können muss. Es heißt einfach nur, dass man mit einer Rundnadel die ganze Socke strickt. Und das Seil wird immer in der Hälfte durchgezogen, weil die Maschen ja gar nicht für die ganze Länge reichen würden. Verstanden? eliZZZa hilft. Also Sockenwolle, Rundstricknadel Stärke 3, Magic Loop.

Zu ersten Mal stricke ich also eine Maschenprobe. 10 Maschen x 10 Reihen. 10 Maschen ergeben bei meiner Wolle knapp 4,5 cm, eine Masche misst also knapp 0,45 cm. Dann kurz überm Knöchel Maß nehmen, das sind ungefähr 25 cm bei mir. 25 geteilt durch 0,45 ist 55,555555555… ich schlage also 56 Maschen an – die Maschenzahl soll durch zwei geteilt werden können. Ana Kraft strickt nur ein kleines Bündchen oben im Rippchenmuster, danach glatt rechts. Ich will den Schaft 2 rechts, 2 links stricken. Das mag ich am liebsten. Dann stricke ich also nach Videoanleitung.

iPhone auf dem Schoß, Stricknadeln in der Hand, Freund an der Seite, der verständnislos guckt, als ich mir das Telefon ganz nah ans Ohr halte, um den Kommentar meiner Stricktutorin durch den Fußball-Lärm aus dem Fernseher hindurch zu verstehen. Es dauert. Diese Socken sind ganz schön anstrengend. Jetzt die Ferse. Die eine Hälfte der Rundnadel stilllegen, mit der anderen, hinteren Hälfte geht es weiter. Im Moment sind allerdings beide Hälften gleich, ich kann mich also frei entscheiden. Erst gerade runterstricken, immer eine Masche abheben, die nächste rechts stricken, und wieder zurück. Genau so, wie Ana Kraft es gesagt hat. Dann die Biegung, von innen nach außen auf jeder Seite pro Reihe je zwei Maschen zusammenstricken. Fersen-Endspurt: An der Seite wieder Maschen aufnehmen, damit man gleich wieder rundstricken kann. Gleich. Hat sie gesagt.

Anscheinend habe ich ungefähr drei Mal so viele Maschen wie Ana Kraft, die mir mit ihre angenehmen Stimme das Gefühl gibt, alles richtig zu machen. Ich kann angeblich so viele Maschen aufnehmen wie ich will. Sagt sie. Am wichtigsten ist, dass alles schön dicht gestrickt wird, damit es an der Ferse keine Löcher gibt. Keine Löcher will ich auch. Also mache ich alles schön dicht, keine Löcher, man kann ruhig viele Maschen aufnehmen, hat sie gesagt. Ich nehme also ein knappes Dutzend Maschen auf. Wegen der Löcher.

Ich nehme Maschen auf und stricke weiter und nehme an der anderen Seite auch nochmal Maschen auf und dann habe ich meine Runde wieder komplett. Sieht schon richtig nach Socke aus. Dann wieder Maschen zusammenstricken, damit ich irgendwann wieder auf meine Ausgangsmaschenzahl komme. Strick und strick und zusammenstrick. 56 Maschen, da sind wir wieder. Jetzt nur noch auf die richtige Länge stricken, dann die Spitze. Hier entscheide ich mich gegen die Anleitung und stricke die Spitze nach vorne hin immer enger, aber weiter in Runden. Am Ende ziehe ich den Faden durch alle, vielleicht 10, verbliebenen Maschen und ziehe die Spitze zusammen. Bis hier hin hat es gerade einmal zwei Tage gedauert.

Wow. Meine erste Socke. Gleich mal anprobieren, nicht schlecht. Schaft passt, ist auch lang genug, Ferse ist an der richtigen Stelle, auch die Spitze ist gut. Die Socke ist nicht zu lang und nicht zu kurz. Mein Lernerfolg von der Mütze hat sich also gleich ausgezahlt: Dem Probierergebnis darf man ruhig glauben. Aber das mit den Maschen! Diese Ferse! Oder vielleicht sage ich lieber Fersenballon? Im Ernst. Vielleicht hätten zwei oder drei zusätzliche Maschen an den Ecken doch gereicht, ich war eventuell etwas übers Ziel hinausgeschossen. Zwei oder drei. Das hatte meine Strick-Lotsin auch erwähnt. Hab ich ihr aber nicht geglaubt. Mit zwei, drei Maschen schließt man doch keine Sockenlücken! Naja, vielleicht doch.

Mit ein bisschen Augenzudrücken ist das Ergebnis im Prinzip ganz akzeptabel und bei der zweiten Socke war es dann schon besser. Die durfte auch aufs Foto:

erste-socke-fertig

Mein Erfolg: Ich habe in etwa 4 Tagen, also Abenden, 2 Socken gestrickt, die man tatsächlich anziehen kann. Wenn es egal ist, wie gut sie sitzen. Die eine vielleicht etwas, sagen wir mal, instabil. Die andere ganz gut. Etwas enger das nächste Mal, aber sonst gut. Mein Lernerfolg: Wenn dir jemand sagt, man kann ruhig viele Maschen aufnehmen, meint er wahrscheinlich 2 oder 3. Es könnte sonst sein, dass die Konfektionsgröße nicht mehr ganz astrein zutrifft. Nur ein Tipp. Von eurer Liesl.

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