Dein Fußballverein liebt dich nicht

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Es hätte so schön sein können: Bayern wird Meister und steht gegen Dortmund erneut im Pokalfinale, Gladbach spielt in Europa, Hannover steigt nicht ab und Köln auf. Und jeder, der sich freut oder im weniger glücklichen Fall seinem Verein seine ungebrochene Treue aussprechen möchte, trägt zukünftig einen Fußballschal in den eigenen Vereinsfarben – und zwar handgestrickt. Dafür wollte ich Strickmuster der Vereinslogos erstellen, die frei für jedermann herunterzuladen und nachzustricken gewesen wären. Dazu Woll- und Farbempfehlungen, um die Farben möglichst genau zu treffen. Jenseits von Merchandising und überteuerter Fanshop-Ware. In tiefer Verbundenheit zu den Vereinen und in leidenschaftlicher Handarbeit erstellt. Mit dem Herz in der Hand und der Wolle auf der Nadel. Sozusagen.

Das war mein monumentaler Plan und er hätte die Welt verändert. Hätte. Das Fußballgeschäft wäre ein bisschen weniger mächtig gewesen, die Auswahl an Fanartikeln wäre individueller und vielfältiger geworden, selbstgestrickte Fanartikel hätten Einzug in die Stadien der Welt gehalten. Hätten. Den VfL Wolfsburg hatte ich schon fertig. Als Hannover 96-Fan eine wahre Überwindung – aber es schien mir als eines der einfacheren Logos, um es in kleinen eckigen Kästchen nachzumalen. Und dann fragte mich mein Freund, der Bayern-Fan, ob ich denn bereits das Einverständnis der Fußballclubs eingeholt hätte. Einverständnis. Hä? Für ein privates Projekt? Dafür, dass ich Fußball-Fan bin und meinem Verein mit etwas Selbstgestricktem meine Liebe aussprechen will? Dafür, dass ich meinen Liebsten ihre Vereinslogos stricken und ihren grauen Tag ein wenig farbenfroher machen möchte? Dafür, dass ich kleinen Hundewelpen kleine Hundewelpenanzüge mit Fußballvereinslogos stricken möchte? Und dafür, dass ich allen anderen Fußball-Fans in diesem Land das gleiche ermöglichen möchte? Naja, gut. Vielleicht hat er recht.

Rechtsstreitigkeiten mit der deutschen Fußballbundesliga sind nicht die Art von Hobby, die das Portemonnaie schonen. Da sind ein paar E-Mails billiger. Vier Wochen von Saisonende schreibe ich also die Pressestellen aller 18 Erstligisten und von fünf Zweitligisten an, die den Aufstieg zur kommenden Saison noch hätten schaffen können. Ich frage sie, ob mein Projekt, das ich ihnen kurz skizziere, in ihrem Sinne ist und ob ich das Vereinslogo dafür verwenden darf. Die niederschmetternde Antwort in der Kurzversion: NEIN.

Die Hoffnung stirbt zuletzt

Am selben Abend noch antworten die Fußballfreunde vom SC Paderborn 07, zu dem Zeitpunkt noch Zweitligist, inzwischen aber tatsächlich aufgestiegen: Leider ist es mir nicht gestattet, das Logo für den genannten Zweck zu nutzen. Knapp und präzise. Keinen Fanschal für Paderborn. Zwei Stunden später der FC Augsburg – die Kleinen zuerst: Die Nutzung des Logos ist ausschließlich Partnern und Sponsoren vorbehalten. Ich dürfe das Logo nicht zur kommerziellen Nutzung anbieten. Wollte ich ja auch nicht. Man sollte es ja kostenlos herunterladen dürfen. Am Ende reicht bereits die Werbung am Rand, dass diese Seite als kommerziell verbucht wird?

Am nächsten Tag dann der 1. FC Nürnberg. Die Geschäftsleitung hat noch ein paar Fragen zu meinem Projekt und möchte mit mir telefonieren. Ich rufe natürlich gerne zurück, ergattere einen Telefontermin – in zwei Wochen. Macht nix. Wenn ich das Logo dann tatsächlich nutzen darf, hat sich das Warten gelohnt. Obwohl – jetzt spielen sie in der zweiten Liga. Aber wenn sie es mir erlauben sollten, würde ich ihr Logo trotzdem verarbeiten. Immerhin keine Absage. Aber der Reigen geht weiter: Der 1. FC Köln weist mich auf die Vielzahl an Plagiaten hin, auf Grund derer sie sich zu einer restriktiven Haltung gezwungen seien. Kein gestrickter Geißbock für Kölnfans.

nein-nein-und-nochmal-nein-1Vom Hamburger SV dann etwas Neues: Grundsätzlich sei eine private Nutzung des Vereinslogos gestattet, teilt man mir mit. Voraussetzung hierfür sei die ausdrückliche Genehmigung durch den Hamburger Sportverein und „eine Versicherung des Nutzers, dass es nicht für Werbe- oder gewerbliche Zwecke verwendet wird.“ Ein Licht am Ende des Tunnels! Doch dann: „Kommerziell wird eine Website bereits, wenn ein Werbebanner o.Ä. auf der Seite eingebunden ist.“ Heißt im Klartext: Liesl, du bist raus! Keine HSV-Mütze für mich. Es gibt aber Hoffnung – noch haben ja nicht alle Clubs geantwortet.

Es folgt: Die TSG 1899 Hoffenheim. Die Abteilung Merchandising und Lizenzen klärt mich auf, die Nutzung der Wort- und Bildmarken sei ausschließlich offiziellen Lizenzpartnern vorbehalten. Man könne mir aber bei grundsätzlichem Interesse gerne die Konditionen für eine Lizenzpartnerschaft mitteilen. Klingt interessant, ich schau mal, ob mein lukratives kommerzielles Webangebot das zulässt. Währenddessen erhalte ich weitere Post aus Kaiserslautern. Auch beim FCK ist die Nutzung nur Lizenzpartnern vorbehalten, die eine entsprechende Gebühr entrichten. Borussia Dortmund, der VfB Stuttgart und Borussia Mönchengladbach stimmen in das Konzert ein: Nutzung nur für Lizenznehmer!

Dann der deutsche Meister: Der FC Bayern München erlaubt die Nutzung ebenfalls nur seinen Lizenzpartnern. Keine Überraschung, aber eine lustige Randnotiz: Man freue sich, wenn ich ihrem Verein dennoch freundschaftlich verbunden bleibe. Bleibe? Wohl eher Konjunktiv-Futur III: Hätte freundschaftlich verbunden gewesen sein können. Sorry, Freunde, aber niemals.

Der FSV Mainz 05 bittet um Fairness gegenüber den anderen vielen, gleichlautenden Anfragen, die sie täglich erreichen – und verbietet die Nutzung. Bayer 04 Leverkusen ist noch ein wenig konkreter und untersagt ausdrücklich jegliche Nutzung sowohl für gewerbliche als auch für private Zwecke. Der FC Schalke 04 erklärt, man habe im Team diskutiert, sei aber zu dem Schluss gekommen, dass mein Produkt leider nicht in Frage kommt. Keinen Schimmer, was sie meinen, aber zur Sicherheit werde ich ihr Logo wohl auch eher nicht stricken.

Heute erreicht mich dann noch überraschend eine Antwort aus Südbaden: Der SC Freiburg hat sich nach der spannenden Schlussphase anscheinend gesammelt und kann wieder E-Mails beantworten. Man erlaubt mir die ausschließlich nichtkommerzielle Benutzung – immerhin! Und hätten die Freiburger nicht den Klassenerhalt aus eigener Kraft geschafft – sie hätten ihn spätestens heute für eine absolut erstklassige Grußformel verdient gehabt: „Beste Grüße, eins rechts eins links eins fallen lassen ;-)“. Made my day.

Keine Antwort ist auch eine Antwort

Bleiben noch: Der VfL Wolfsburg, deren Logo ich bereits fertig in der Schublade liegen habe: Keine Antwort. Hannover 96, mein Herz- und Heimverein, weiß nicht, was ihm entgeht. Hertha BSC Berlin, die Hauptstadt-Mannschaft, schweigt. Der SV Werder Bremen löst wahrscheinlich noch den Knoten und konnte deshalb nicht antworten. Die Frankfurter Eintracht macht ihrem Namen alle Ehre und äußert sich einträchtig nicht. Die Eintracht Braunschweig hat vielleicht einfach keinen Bock mehr und die SpVgg Greuther Fürth spielt gerade gegen Hamburg. Vielleicht antworten sie, wenn sie ihren Aufstieg gesichert haben. Ach so, und: Die Absage von Nürnberg habe ich mir übrigens dann nicht mehr abgeholt. Eine kleine Resthoffnung gibt es also noch.

Merke: Königsblauer Schalke-Strickpulli für Sohnemann? Ist nicht. Mit einem selbstgestrickten FC-Köln-Schal den Aufstieg feiern? Vorsicht… Mit der Borussia-Mütze zum Pokalfinale? Erst die Lizenzgebühr bezahlen! Es ist wie es ist. Die Vereinslogos unserer geliebten Clubs sind viel mehr als das: Sie sind Marken und damit Erkennungszeichen von sehr wertvollen Produkten. Und das lassen sie sich gut bezahlen. In einer Beziehung würde man wohl sagen: Ich glaube, ich liebe dich mehr als du mich.

Fazit: Wer das Risiko mag, strickt einfach was er will. Ein ernsthaftes Problem wird er da wohl kaum mit seinem Club bekommen – solange es nicht kommerziell wird. Wer auf Nummer sicher gehen will, fragt besser bei seinem Verein nach. Für den rein privaten Zweck lässt der eine oder andere vielleicht mit sich reden. Und wer ganz sicher sein will, wird vielleicht am besten Fan der Nationalmannschaft. Schwarz-rot-gold können sie uns nicht verbieten.

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5 thoughts on “Dein Fußballverein liebt dich nicht

    • … und die Antwort kam prompt von meinem Lieblingsverein, der auch seine Fans liebt:

      Guten Morgen Frau …,

      vielen Dank für Ihre Anfrage. Sie können gerne das Arminia-Logo gerne für den privaten Gebrauch in Ihre Vereinssocken einstricken.

      Mit freundlichen Grüßen aus der SchücoArena

  1. Es ist nicht verboten, privat einen Pullover mit dem Logo des Lieblingsvereins zu stricken und dann zu tragen. Was die Vereine nicht wollen, ist, dass Du kostenlose Anleitungen mit ihren Logos und Farben postest. Die könnte nämlich 1. auch jemand ganz einfach verwenden, der das Ganze kommerziell betreibt, und 2. bekommst Du durch die Werbeeinblendungen auf Deine Seite indirekt Geld dafür, insofern ist Dein Angebot zwar kostenlos, aber nichtsdestotrotz kommerziell. Unter uns: die Vereine wären ja auch schön blöd, Dir die unentgeltliche Verwendung ihrer Logos zu gestatten. Um Sport und Leidenschaft gehts doch da schon lange nicht mehr.

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