Der Schweinehund macht keine Sommerpause

SchweinehundWas wäre eine Sommerpause, wenn man nicht mal so richtig Pause machen würde. Diese Hitze, dieser Staub, dieser Urlaub – alles schrecklich anstrengend. Da bleibt sogar nicht einmal mehr Kraft, die Stricknadeln zu halten. Mal im Ernst: Kaum hatte das Thermometer die 20-Grad-Marke geknackt, sind mir die Nadeln aus der Hand gefallen als seien sie elektrisch geladen. Kein Wunder: Die Wolle klebt an den Händen, die körperliche Betätigung überfordert den ohnehin von der Hitze beanspruchten Körper, die Sonne blendet, so dass man die Anleitung nur mit Sonnenbrille lesen kann. Keine idealen Voraussetzungen. Und dann fällt einem auch noch das halbfertige Strickteil in den Pool.

Der Sommer. Eigentlich die beste Zeit des Jahres, um die Vorräte an Strickkleidung für den Winter aufzufüllen. Dachte ich im Frühling noch. Und dann kam er und mit ihm der Schweinehund. Inmitten meiner akuten Stricklethargie habe ich dann aber doch noch mit letzter Energie meine rudimentär entwickelte Vorliebe für empirische Erhebungen wiederentdeckt – und habe mein Dilemma zu einer Umfrage gemacht. Die Gruppe der Befragten wurden mit folgendem Szenario konfrontiert:

Ich stelle fest: Es ist Sommer und ich stricke deutlich weniger als im Winter. Dabei könnte man gut auch draußen sitzen und dort stricken… aber ich tu es nicht und rätsle warum. Wie ist das bei euch? Strickt ihr im Sommer weniger als im Winter? Wenn ja, was ist der Grund?

Meine Vermutung, die Menschen würden in der Hitze alle eher inaktiv werden, bestätigte sich in der Folge nicht. So kamen über die Facebook-Gruppe nadelspiel und meine eigene Facebook-Seite am Ende stolze – wenn auch sicherlich nicht repräsentative – 102 Stimmen zusammen. Das wissenschaftlich fundierte Ergebnis lässt sich überraschenderweise wie folgt aufschlüsseln:

  • Ich stricke zu beiden Jahreszeiten gleich viel antworteten 64 Teilnehmerinnen (62,7%).
  • Ich stricke im Sommer weniger als im Winter antworteten 37 Teilnehmerinnen (36,3%).
  • Ich stricke im Sommer mehr als im Winter antwortete 1 Teilnehmerin (1,0%).

Vorausgeschickt: Es waren tatsächlich alles Frauen. Die Verwendung des Begriffs „Teilnehmerinnen“ ist also kein Akt der Minderheitendiskriminierung (Männer), sondern einfach die Beschreibung der Realität. Zurück zum Ergebnis. Tatsächlich stimmt meine persönliche Empfindung offenbar nicht überein mit der großen Mehrheit der 102 befragten Strickerinnen. Fast zwei Drittel stricken sommers wie winters gleich viel – bei einigen mit der Einschränkung, dass sie im Sommer keine dicke oder Angora-Wolle, sondern eher leichtere Baumwolle verstricken. Die eine Teilnehmerin, die angab,  mehr im Sommer als im Winter zu stricken, gab als Grund dafür das Mehr an Tageslicht an und die Tatsache, dass sie im Sommerurlaub mehr Zeit für ihr Hobby hat.

Die Ladies, die mein Verhalten teilen, also im Sommer strickmüde werden, gaben vorrangig feuchte / schwitzige Hände als Grund für ihr Nicht-Stricken an. Darüberhinaus sind die Strickfreundinnen in der warmen Jahreszeit offenbar schlicht mehr unterwegs, so dass einige ihre Strickintensität im Sommer in der Folge reduzieren. Allerdings: Sobald der Sommer eine Pause macht und ein Gewitter für Abkühlung sorgt, sind die Stricknadeln wieder Priorität Nummer eins! Und die hartgesottenen Damen, die einfach immer gleich viel stricken? Wow. Hut ab. Chapeau. Meinen Respekt.

Wissenschaftliches Fazit der Liesl-Strick-Umfrage: Stell‘ dich nicht so an! Was eine echte Strickerin ist, den macht auch ein bisschen Hitze nicht platt! Nur die Harten komm‘ in Garten! Eine echte Strickerin strickt auch an der Kraterkante des Ätna stehend, den Blick in die spritzende Glut gewandt! Allerdings dann nur Baumwolle.

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