Bestricke deinen Nächsten wie dich selbst

Das ist Massimo, der marsmännchen-grüne Teddy mit Badehose in Hackfleisch-Optik. Massimo ist aber nicht nur ein gutaussehender Teddybär im besten Teddybären-Alter, sondern bald auch Trost-Teddy. Denn Massimo wird gespendet an den Trostteddy e.V., einen gemeinnützigen Verein, der mit Teddybär-Spenden Kindern hilft, die in eine Notsiuation geraten sind, die also zum Beispiel einen Unfall hatten, im Krankenhaus liegen oder einen Angehörigen verloren haben. Da kann ein tröstender Teddy ein treuer Begleiter werden. So wie Massimo.

Die Anleitung liefert der Trostteddy e.V. direkt mit – übrigens komplett kraus rechts gestrickt und wirklich extrem einfach nachzumachen. Und endlich weiß ich, was ich mache, wenn grade kein Verwandter, Freund, Kollege oder Neugeborenes bestrickt werden muss: Ich stricke für den guten Zweck!

Nach der dritten Mütze, die ich fertig gestellt hatte, drängte sich mir bereits die Frage auf: Was tun mit all dem Plunder? Nur weil ich ständig Mützen stricke, wachsen mir ja nicht weitere Köpfe. Die erste Idee: Trotz fehlender Abnehmer einfach weiterstricken und fertige Teile zum Beispiel in die Altkleidersammlung oder sowas ähnliches oder an andere Sammelstellen geben, die die Kleider an Bedürftige vermitteln. Davon gibt es in Berlin zumindest jede Menge.

Oder vielleicht Oxfam? Dort könnte man Kleidungsstücke, aber auch Teddybären, Taschen, Kissenbezüge und so weiter abgeben und verkaufen lassen. Der Erlös fließt laut Oxfam in Nothilfe- und Entwicklungsprojekte als auch in die Finanzierung der Kampagnenarbeit von Oxfam Deutschland e. V.. Eigentlich also auch eine Altkleidersammlung, nur eben nicht in Form von Containern, sondern von Vor-Ort-Läden. Kann man machen. Aber das muss doch auch besser gehen! Und es geht.

Neben dem Trostteddy e.V. gibt es unzählige wohltätige Initiativen im ganzen Land, die alle die Unterstützung von tüchtigen Strickerinnen und Strickern gebrauchen können. Insbesondere in Kinderkliniken gibt es offenbar großen Bedarf. Wenn ich also zukünftig kein privates Projekt zu stricken habe, stricke ich nicht mehr irgendwas und überlege mir dann, was ich damit mache. Zukünftig überlege ich mir erst, für wen ich was stricke und suche mir Projekte, für die es irgendwo im Land einen Bedarf gibt. Und da gibt es jede Menge:

Die „Klinikaktion der Schmetterlingskinder“ hat einen ernsten Hintergrund. Die Initiative Frauenworte e.V. hat das Projekt vor mehr als zehn Jahren ins Leben gerufen und versorgt Kliniken mit selbstgestrickter Kleidung für so genannte Sternen- oder Schmetterlingskinder, also für tot geborene Kinder oder Kinder, die direkt nach der Geburt gestorben sind. Die Kliniken können den Bedarf an Kleidung für die Kleinen kaum selbst decken und sind daher offenbar sehr dankbar für Hilfe von außen. Hier werden Mützchen und Söckchen, aber auch zum Beispiel Deckchen und Strampler benötigt, Interessierte erhalten auf der Website Anleitungen und Mitmach-Regeln, um deren Beachtung gebeten wird. Die Initiative beliefert die Kliniken außerdem mit Abschiedskerzen und -karten, Sargbeigaben und vielem mehr. Tolle und sehr bewegende Sache!

„Frühchenstricken“ ist eine Privatinitiative von drei Frauen aus Stuttgart und Umgebung, die Mützchen, Söckchen und viele weitere Sachen für Frühgeborene stricken und damit inzwischen mehr als 230 Kliniken in Deutschland regelmäßig versorgen. Anleitungen, Informationen zum aktuellen Bedarf und Materialempfehlungen  liefern die Strick-Ladies auf ihrer Website mit. Die fertigen Sachen schickt man im Päckchen nach Stuttgart und der Rest wird von dort erledigt. Das ist doch einen Versuch wert!

Die Aktion „Kleine Söckchen – warme Füße“ von der Aachener Caritas ruft auf, Socken zu stricken, die dann in in verschiedenen Filialen in Nordrhein-Westfalen verkauft werden. Der Erlös kommt – ähnlich wie bei Oxfam, nur eben regional –  verschiedenen Jugend- und Familienprojekten zu Gute. Mitmachen kann jeder – egal, ob er in NRW wohnt oder nicht!

In jeder mittelgroßen bis großen deutschen Stadt gibt es dankenswerterweise verschiedene Kältehilfe-Aktionen, in Berlin zum Beispiel die Kältebusse. Bedürftige erhalten hier warme Kleidung, warmes Essen und manchmal sogar Unterkünfte für die Nacht. Der Bedarf an gestrickten Klamotten, z.B. Mützen, Schals, Handschuhe, ist hier natürlich ebenfalls groß und jeder kann mitmachen. Wahrscheinlich sogar in der Nähe!

Initiativen und Aktionen wie die genannten gibt es in zig Varianten, Regionen und mit unterschiedlichsten Zielsetzungen. Das DRK lässt gemeinsam mit einem Smoothie-Hersteller Mützchen strickendie Mutter einer Hebamme für eine Klinik in Sachsen strickt Babysöckchen, Schüler in Ulm stricken die Donau: Möglichkeiten und Ideen gibt es unzählige, Bedarf gibt es ebenfalls. Also los! Tut Gutes!

Diesmal eine echte Qualitätserkenntnis: Ab sofort wird nicht mehr sinnlos gestrickt! Ab sofort wird ehrenamtlich gestrickt – damit irgendein Kind vielleicht aufhört, zu weinen, irgendein anderes Kind endlich warme Füße bekommt, Eltern in Ruhe Abschied nehmen können. Wenn das nichts ist. Los, Freunde, strickt die Welt ein bisschen besser! Love & Peace, Eure Liesl (und Massimo)

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