Yarnbombing am Engländer-Geländer

Ein wahres El Dorado für Guerilla-Stricker scheint es an der englischen Nordostküste zu geben: Ein kleines 6000-Einwohner-Städtchen mit dem klangvollen Namen Saltburn-by-the-Sea wird offenbar in regelmäßigen Abständen von so genannten „Yarn Bombers“ überrascht. Bislang weiß niemand, wer sich hinter den beliebten Aktionen versteckt, aber Fakt ist: Es gibt anscheinend eine Gruppe von Leuten – angesichts der Fülle an Strickkunstwerken ist es wohl eher keine Einzelperson – die das Geländer der beliebten Seebrücke in unregelmäßigen Abständen mit aktuellen Motiven bestrickt. Mal geht es um englische Traditionen oder Spezialitäten der Region Yorkshire, im  Jahr 2012 waren es die Olympischen Spiele, die der Strickgruppe eine Inspiration waren. Vor wenigen Tagen, zur Fußballweltmeisterschaft in Brasilien, sind neue Figuren aufgetaucht: Die Stricker von Saltburn-by-the-Sea haben ganze Arbeit geleistet und mehr oder weniger das gesamte Who is Who des Weltfußballs mit einer gestrickten Hommage bedacht. Hut ab, Freunde!

Diese brandaktuellen Aufnahmen der WM-Strickerei in Saltburn-by-the-Sea stammen von MFPthetraveller bei TripAdvisor, der mir freundlicherweise erlaubt hat, seine Fotos hier zu zeigen:

Oder auch die gesammelten Werke am Geländer des Saltburn Pier – eine Zusammenstellung von flickr.com.

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Dein Fußballverein liebt dich nicht

fussball

Es hätte so schön sein können: Bayern wird Meister und steht gegen Dortmund erneut im Pokalfinale, Gladbach spielt in Europa, Hannover steigt nicht ab und Köln auf. Und jeder, der sich freut oder im weniger glücklichen Fall seinem Verein seine ungebrochene Treue aussprechen möchte, trägt zukünftig einen Fußballschal in den eigenen Vereinsfarben – und zwar handgestrickt. Dafür wollte ich Strickmuster der Vereinslogos erstellen, die frei für jedermann herunterzuladen und nachzustricken gewesen wären. Dazu Woll- und Farbempfehlungen, um die Farben möglichst genau zu treffen. Jenseits von Merchandising und überteuerter Fanshop-Ware. In tiefer Verbundenheit zu den Vereinen und in leidenschaftlicher Handarbeit erstellt. Mit dem Herz in der Hand und der Wolle auf der Nadel. Sozusagen.

Das war mein monumentaler Plan und er hätte die Welt verändert. Hätte. Das Fußballgeschäft wäre ein bisschen weniger mächtig gewesen, die Auswahl an Fanartikeln wäre individueller und vielfältiger geworden, selbstgestrickte Fanartikel hätten Einzug in die Stadien der Welt gehalten. Hätten. Den VfL Wolfsburg hatte ich schon fertig. Als Hannover 96-Fan eine wahre Überwindung – aber es schien mir als eines der einfacheren Logos, um es in kleinen eckigen Kästchen nachzumalen. Und dann fragte mich mein Freund, der Bayern-Fan, ob ich denn bereits das Einverständnis der Fußballclubs eingeholt hätte. Einverständnis. Hä? Für ein privates Projekt? Dafür, dass ich Fußball-Fan bin und meinem Verein mit etwas Selbstgestricktem meine Liebe aussprechen will? Dafür, dass ich meinen Liebsten ihre Vereinslogos stricken und ihren grauen Tag ein wenig farbenfroher machen möchte? Dafür, dass ich kleinen Hundewelpen kleine Hundewelpenanzüge mit Fußballvereinslogos stricken möchte? Und dafür, dass ich allen anderen Fußball-Fans in diesem Land das gleiche ermöglichen möchte? Naja, gut. Vielleicht hat er recht.

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